Selbstverteidigung mit Worten – Teil 1

Wer schlagfertig kontert, geht aus einer verbalen Attacke als souveräner Gewinner hervor. Statt spontan zu reagieren, fällt einem die passende Antwort oft erst viel später ein. Gerade während einer wichtigen Präsentation, in einer Besprechung oder auch im Alltag ist das ärgerlich. Das Problem: sprachliche Angriffe sind nicht vorhersagbar. Das macht es schwer, diese Fertigkeit zu erlernen. Die richtige Vorbereitung macht es dennoch möglich.

Den meisten wurde es von klein auf beigebracht und für viele ist es eine bewährte Methode. Im Fußball genauso wie in der Politik. Wer attackiert wird, verteidigt sich, denn Angriff ist die beste Verteidigung – heißt es. Und wenn wir mit dummen Sprüchen, Beleidigungen, Killerphrasen, provokativen Fragen oder einer unsachlichen Kritik konfrontiert werden, wollen wir uns verteidigen. Nur wie? Ein rhetorisches Mittel ist die Schlagfertigkeit. Das Problem: Verbale Attacken treffen uns unvorbereitet im Privat- oder Berufsalltag. Eine passende Antwort fällt oft erst viel später ein. Deshalb nehmen sich viele vor, bei der nächsten Gelegenheit schlagfertiger zu reagieren.

Das Stichwort

Schlagfertigkeit ist die Fähigkeit, sprachlich schnell und treffend auf unvorhergesehene Situationen zu reagieren. Das Wort stammt aus dem Militär-Jargon, wo die Schlagfertigkeit einer Armee ihre Bereitschaft zum sofortigen Einsatz bedeutet. Killerphrasen sind allgemeine, unsachliche Aussagen oder Fragen wie „Was verstehen Sie schon davon?“ oder „Sie haben doch gar keine Ahnung!“

Wer schlagfertig ist, ist durchsetzungsfähig

Schlagfertig ist, wer in einer Diskussion, im Meeting, während einer Präsentation oder im Bewerbungsgespräch spontan und wendig kontert. Diejenigen, die ihren Standpunkt gegenüber verbalen Angriffen auf diese Art verteidigen, stoppen Verbalattacken, bevor ein Konflikt daraus entsteht. Angreifer stehen dann selbst in schlechtem Licht da, während die Verteidiger souverän, selbstsicher und durchsetzungsfähig wirken. So ist es auch zu erklären, weshalb schlagfertige Menschen mit ihren treffenden, oft witzigen Bemerkungen gut ankommen. Der britische Premierminister Winston Churchill war zum Beispiel für seine sprachlichen Reaktionen bekannt. Bei einer Abendgesellschaft wurde Winston Churchill von einer ihm unbekannten Dame angegangen „Wenn ich Ihre Frau wäre, würde ich Ihnen Gift in den Kaffee schütten.“ Churchill antwortete „Und wenn ich Ihr Mann wäre, würde ich ihn trinken.“ In einer anderen Situation konterte Churchill angeblich so: Auf die schriftliche Einladung des Sozialisten George Bernhard Shaw zu seiner Theaterpremiere „Bringen Sie einen Freund mit, wenn Sie noch einen haben.“ erwiderte Churchill in einem Brief „Leider bin ich an dem Abend parlamentarisch gebunden. Ich würde aber gerne zur zweiten Vorstellung kommen – falls es noch eine gibt.“

Weil spontanes Kontern so gefragt ist, gibt es Ratgeber, Trainer und Seminare, mit deren Hilfe geübt wird. Die eine Anleitung zur Schlagfertigkeit gibt es allerdings nicht – und kann es auch nicht geben. Viele vergessen, dass Schlagfertigkeit ein Talent und nur schwer erlernbar ist. Schlagfertigkeit ist nämlich nicht immer das, nach was es aussieht, also das schnelle sprachliche Reagieren auf unvorhergesehene Situationen. Der bekannte Showmaster Rudi Carrell soll dazu passend gesagt haben: „Wenn man einen Spruch aus dem Ärmel schütteln will, dann muss man ihn vorher reinstecken.“

Auch in Filmen ist Schlagfertigkeit das Ergebnis von Drehbuchautoren, die sich eine passende Antwort gut überlegt haben. Diese Fertigkeit ist eine große Herausforderung, denn schlagfertig sein heißt:

  • situationsspezifisch entgegnen: Zum Beispiel auf eine missglückte Äußerung aus dem Publikum während einer Präsentation.
  • schnell beziehungsweise spontan reagieren: Wer lange überlegt ist nicht schlagfertig.
  • humoristisch sein: Zum Beispiel durch eine witzige Bemerkung sympathisch bei Gesprächspartnern erscheinen.
  • dosiert antworten: Wer mit spitzer Zunge formuliert, provoziert leicht Missverständnisse oder stellt andere bloß.

Gelassenheit ist also angebracht. Es bringt nichts, sich selbst unter Druck zu setzen, weil gerade kein treffender Satz eingefallen ist. Schließlich ist es häufig dasselbe Problem bei sprachlichen Attacken: Ärgern wir uns in einer bestimmten Situation über unser Gegenüber, werden Stresshormone ausgeschüttet.

Aus Psychologie und Gehirnforschung ist bekannt, dass Menschen das als Angriff interpretieren und drei verschiedene Reaktionen denkbar sind: Angriff, Flucht oder Schutz. Da Flucht heute im Gegensatz zu früher sehr oft keine Alternative mehr ist, reagieren die meisten mit einem Black-Out. Kein Wunder also, dass ihnen nichts Passendes auf Anhieb einfällt. Außerdem geht es auch anders: Menschen müssen nicht zeigen, dass Sie getroffen wurden. Herzlichen Dank an Anette Rößler für den ersten Teil  dieses Artikels. Den anderen Teil gibt es in Kürze, also: stay tuned…

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