In Ruhe führen…

…oder, warum wird die Halbwertszeit von Managern immer kürzer?

Dieses Phänomen kann man bei den Trainern in der Fußball-Bundesliga sehr gut beobachten. Schauen wir uns zum Beispiel den FC Bayern an. Da sind bisher Čajkovski, Zebec, Lattek (2x), Cramer, Lóránt, Csernai, Saftig, Heynckes (jetzt 3x), Lerby, Ribbeck, der Kaiser (3x), Trappattoni, Rehagel, Hitzfeld, Magath, Klinsmann und van Gaal über die Sand- bzw. Tartanbahn gelaufen. Alles irgendwie sehr, sehr unterschiedliche Typen: klein, groß, dick, dünn, eloquent, ruhig, Häuptling oder General. Und immer wurden sie mit dem Statement angekündigt: Mit ihm schaffen wir das erklärte Ziel: „Wir holen den Europapokal.“ oder “Mit diesem Trainer gewinnen wir die Championsleague!“.

Nun stellt man sich in Fachkreisen allerdings laufend die Frage, warum sich bei den − national hochgelobten − Bayern der ganz große nachhaltige Erfolg auf internationaler Ebene seit Jahren einfach nicht einstellen will. Woran könnte das liegen?

Es fehlt die Kontinuität! Kaum ein Trainer (und eben auch Geschäftsführer) kann heutzutage langfristig arbeiten. Tritt kurzfristig kein Erfolg ein, muss derjenige sofort seinen Hut nehmen. Und genau an dieser Stelle beginnt das Problem gravierend zu werden. Lag es am Trainer oder an der Mannschaft? Welchen Trainer sucht man jetzt? Ist nun auch noch der Trainer, der zur Situation und zur Mannschaft passt nicht verfügbar, dann geht man oft genug einen schlechten Kompromiss ein und das nächste Problem folgt stehenden Fußes.

Jeder dieser o.a. Trainer ist bzw. war ein komplett anderer Typ. Jeder hat eine andere Trainings- und Spielsystemphilosophie. Hat sich also gerade die Mannschaft auf ihn eingestellt, kommt ein neuer Trainer. Und Spieler, die der gerade geschasste Chef noch eingekauft hat, passen auf einmal nicht mehr in die Strategie des neuen Trainers. Das kann nicht funktionieren!

Es gibt somit durchaus viele Parallelen zu Unternehmen. Schon 100 Tage nach dem Antritt wird meist in der Presse gefragt: Was sind erste Erfolge? Sie wissen selbst, was man nach 3 Monaten schon alles erreicht haben kann. Außer gnadenlos Kosten zu sparen und ein paar Leute und Zahlen kennen zu lernen, fast gar nichts. Alle Entscheidungen, die man auf oberster Eben trifft, dauern Wochen, wenn nicht Monate bis sie wirken. Also ist langfristiges Denken und Handeln gefragt. Bis man/frau dann seine Wunschformation in der Führungsriege gefunden hat, vergehen auch noch einmal viele Monate, wenn nicht Jahre.

Auch im Vertrieb ist es häufig so, dass die Mitarbeiter noch während der Probezeit wieder entlassen werden, weil sie nicht den erwarteten Erfolg gebracht haben. Dabei passiert das oft in Unternehmen mit erklärungsbedürftigen Produkte bzw. langen Saleszyklen oder einer Key Account –Struktur. Wie soll das funktionieren, wenn erstmal Vertrauen und Kontinuität aufgebaut werden müssen, bis sich der Kunde für die Produkte Ihrer Firma entscheidet. Und dann werden gerne noch die erfolgreichsten Vertriebler auf die Führungsebene gehoben, obwohl Führen gar nicht ihrem Naturell entspricht. Die sind beim Kunden viel besser aufgehoben und man wundert sich nur, dass der neue Vertriebsleiter nicht die Performance erbringt wie in seiner ursprünglichen Aufgabe.

Dass es auch anders geht, zeigt uns Bosch. Das Unternehmen feiert dieses Jahr bekanntlich sein 125 jähriges Jubiläum. Herr Franz Fehrenbach ist erst der 6. (in Worten „sechste“) Vorsitzende der Geschäftsführung. Wenn Sie noch nicht nachgezählt haben, bei den Münchnern sind es in den letzten knapp 50 Jahren schon fast 20 Trainerwechsel gewesen.

Suchen Sie in Zukunft Ihre Führungskräfte in Ruhe aus und geben Sie ihnen Zeit.

Ach so, noch ein Wort zu den Bayern: Wer war also tatsächlich verantwortlich, dass Bayern München seit Jahren so erfolgreich spielt, wie sie gespielt haben? Nein, nicht der − meist kurzfristig eingesetzte − Trainer. Es war und ist Uli Hoeneß, der langjährige Manager. Danke an Georg Blum für diesen toll vergleichenden Artikel auf no big deal.

2 Kommentare zu „In Ruhe führen…“

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